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Lily - der Bösewicht?
#1
Ich hab mir gerade die Folge "Unpaused" noch mal angeschaut (in der Marshall und Lily wegen Marshalls Annahme des Richterpostens streiten) und hatte irgendwie im Unterbewusstsein Sympathien für Marshalls Seite. Als ich dann versucht habe, mich an Lilys selbstlose, altruistische Momente zu erinnern ist mir was aufgefallen - es gibt kaum welche.

Wenn man sich den gesamten Verlauf der Serie anschaut, bekommt man den Eindruck, als ob die Autoren Lily geradezu als Verkörperung der Selbstsucht konzipiert hätten. Sie scheint immer noch mehr zu wollen als sie eigentlich schon hat, versucht immer, ihrem eigenen Masterplan zu folgen, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen, was das eigentlich für andere bedeutet. Der erste Punkt, der einem hier sofort einfallen muss, ist natürlich die Aufkündigung der Verlobung und ihre Abreise nach San Francisco zum Ende der 1. Staffel. Aber es gibt noch seeeeehr viele weitere, mir fallen jetzt gerade spontan ein:

==> bereits in der dritten Folge versucht sie krampfhaft in der Bar vom anderen Geschlecht wahrgenommen zu werden und nimmt dafür ihren Verlobungsring ab und muss erst von Robin darauf hingewiesen werden, dass alle Single-Frauen letztlich genau das suchen, was sie mit Marshall schon hat

==> bei der schon erwähnten SF-Aktion verletzt sie natürlich Marshall extrem, was meiner Meinung aber völlig unter den Tisch fällt ist, dass ihre Flucht auch Ted sehr mitnimmt, da er sich um den am Boden zerstörten Marshall kümmern muss und das für ihn inspirierende Beispiel einer funktionierenden Beziehung zerstört sieht. Gleichzeitig wird m. E. auch Robin hart getroffen, die auf diese Weise ihre erste (und einzige weibliche Freundin in NY verliert)

==> unter diesem Gesichtspunkt erscheint es auch verständlich, dass Ted in dieser Zeit einen gewissen Zorn auf Lily entwickelt hat, der sich in ihrer Bezeichnung als b**** zeigt. Da sind wir aber auch schon beim nächsten Punkt: Wieder zieht sich Lily als Reaktion auf diese (sozusagen "verjährte") Beleidigung in ihre eigene Welt (ihr Apartment) zurück und versaut somit Ted und dem völlig unbeteiligten Marshall zunächst das Weihnachtsfest

==> die Fehde mit Marshalls Familie und vor allem seiner Mutter scheint für mich darauf zurückzugehen, dass sie sie daran erinnert, dass Marshall Pläne für ihre gemeinsame Zukunft hat, die von ihren eigenen abweichen (nach Minnesota ziehen). Fairerweise sollte allerdings auch erwähnt werden, dass sich die Eriksens durchaus auch geringschätzig gegenüber New York äußern.

==> Beim Thanksgiving in der ersten Staffel macht sie genau das was sie später von Marshall fordert, nämlich offen über alles zu reden, selbst nicht, sondern flieht mit ihrem Schwangerschaftsverdacht und lässt Marshall irritiert und blamiert zurück

==> Auch weist ihre Entscheidung, ihren Mädchennamen zu behalten, darauf hin, dass sie auch hier versucht, über die Hochzeit hinaus ihr altes Ohne-Marshall-Ich weiterleben zu lassen.

==> Dafür spricht auch, dass sie sich bis zuletzt weigert, ihr Apartment aufzugeben, obwohl sie de facto schon bei Ted und Marshall wohnt (s. das von ihr unbemerkte chinesische Restaurant)

==> Ihre Kaufsucht und das von ihr zerstörte Hochzeitskleid zwingen Marshall dazu, den ungeliebten Job bei der GNB anzunehmen

==> Kaum hat sie jedoch den gut bezahlten Job als Kunstagentin des Captains, lässt sie Marshall links liegen, reagiert aber sofort eifersüchtig und gereizt, wenn Marshall als logische Folge mehr Zeit mit Ted verbringt und mit ihm die Was-auch-immer-Serie schaut

==> Sie manipuliert so gut wie alle von Teds Beziehungen, weil sie glaubt, besser Bescheid zu wissen als er selbst (eine Selbstsicht, die sich in der Serie ständig in ihren Beziehungsratschlägen zeigt, selbst wenn sie die Beziehungen nicht gerade zu beenden versucht). Nicht einmal das tut sie allerdings um Ted und den anderen zu helfen, sondern um ihren eigenen "Verandatraum" fürs Alter zu befördern

==> Sie unterbindet außerdem Robins Versuch, eine andere weibliche Freundin zu finden in Staffel 9 (den sie freilich selbst angestoßen hat), aus Angst, dann selbst eine unwichtigere Rolle zu spielen

==> Letztendlich scheiterte auch ihre frühere Beziehung an Scooter daran, dass sie ihn als Hindernis auf ihrem anvisierten Weg betrachtete

==> Sie wendet ihre Kindergarten-Pädagogik auf ihre Umwelt an, lässt sich davon auch durch eindringliches Zureden nicht abbringen und bringt so u. a. Teds Job in Gefahr

==> und zu guter Letzt: der Konflikt zwischen Marshalls Richteramt und ihrem Jahr in Rom. Nüchtern betrachtet hat Marshall die besseren Argumente: Sein Job ist vermutlich besser bezahlt und langfristiger, nimmt er ihn nicht an, ist er nach der Rückkehr aus Italien wohl dazu gezwungen, einen entweder unterbezahlten oder unbefriedigenden Anwaltsposten anzunehmen, da er für das Richteramt nach einer Absage wohl nicht mehr infrage gekommen wäre. Lily könnte dagegen wahrscheinlich auch in New York als Kunstagentin arbeiten (wie Ted schon bei der San-Francisco-Geschichte anmerkt ist New York DAS künstlerische Zentrum der Welt, trotzdem scheint Lily immer weg zu wollen), behält sie ihren Job ist sie völlig davon abhängig, dass der Captain sie nicht rausschmeißt. Relativiert wird das ganze allerdings dadurch, dass Italien sozusagen "zuerst" da war und die Koffer schon gepackt waren. Während Marshall sich seines Fehlers aber völlig bewusst ist (verdeutlicht dadurch, dass er den Streit unter allen Umständen zu verzögern versucht) beharrt Lily felsenfest auf ihrer Position obwohl sie einige Zeit hatte, sich über die Situation Gedanken zu machen

Gleichzeitig muss man ihr zugute halten, dass sie eben doch einen großen Moment der Selbstlosigkeit hatte, nämlich als sie den Job in Rom zunächst ablehnte um Marshalls vermeintliches Glück als Umweltanwalt nicht zu gefährden.

Marshall widerum scheint mir das totale Gegenbeispiel zu Lily zu sein. Während letztere sich, wie oben ausgeführt, selten Gedanken darüber macht, was für Folgen ihr Handeln für andere hat, macht sich Marshall beispielsweise selbst dermaßen verrückt im Bemühen, Lily bei ihrem Auftritt auf der Vernissage nicht zu blamieren, dass er am Ende mit den bemühten Wortwitzen und der undichten Skittles-Packung genau das macht. Er scheint ihr ständig alles recht machen zu wollen und fühlt sich für ihr Glück alleinverantwortlich (was letztendlich auch erklärt, warum er sie nicht über seinen stagnierenden Job bei Honeywell & Cootes informiert).

So, dass war jetzt mehr Text als ich gedacht hatte Big Grin Ich lass das mal so stehen und schaue, ob ich mich nicht doch an mehr Momente entsinnen kann, in denen das rothaarige Monster uneigennützig gehandelt hat. Was mir gerade noch auffällt, ist dass Ted im Laufe der Serie immer mehr wie Lily wird (klammert sich als letzte Hoffnung an Robins Medaillon und setzt so die Hochzeit seines besten Kumpels aufs Spiel)? Naja.
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#2
Eine interessante Interpretation, auch wenn ich das Wort "Bösewicht" nicht genommen hätte.

Ich denke durchaus, dass Lilly weiß, was sie will - und dann auch alles dafür tut, was sie will. Sie ist kompromisslos(er) und bestimmend.
Und ja, Marshall ist da anders (ist ja nicht umsonst der "Füger" ;-) ).

Das führt natürlich dazu, dass Lilly egoistisch handelt (und mit Marshall auch handeln KANN)
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#3
Ich muss dir da zustimmen, auch wenn ich den Ausdruck Bösewicht etwas übertrieben finde^^

Lily ist aus diesem Grund auch der Hauptcharakter, den ich am wenigsten mag. Was mich ziemlich gestört hat war, dass sie, nachdem sie aus San Francisco zurück gekommen ist, direkt erwartet hat, dass Marshall sie zurücknimmt, als ob es selbstverständlich wäre.
Und als Marshall mit Chloe in seiner Wohnung war, springt Lily einfach dazwischen und sabotiert so das Date (auch wenn sie sich später dafür entschuldigt, dass sie eifersüchtig war).

Allerdings bin ich bei Ted anderer Meinung. Zwar hätte er mit seinen Aktionen die Hochzeit von Barney und Robin sabotieren können, aber er hat das ja nicht gemacht, damit die beiden nicht heiraten, sondern um Robin glücklich zu machen. Im Staffelfinale von Staffel 8 hat er zu Lily gesagt, dass er alles machen würde, um Robin glücklich zu machen. Und beor er Robin das Medallion geben konnte, hat er gesehen, dass das lieber Barney machen sollte und hat diesem das Medallion gegeben, damit er es Robin gibt.
Barney: Marshall ist vor 'ner Kakerlake geflohen!
Marshall: Es war eine Maus!
Barney: Mein Fehler. Du bist ein Mann!
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